Der Verband der kurzen Wege

Der Bremer Fußball-Verband ist der kleinste aller einundzwanzig Landesverbände im DFB. Die überschaubare Größe hat jedoch gerade beim Zusammenwirken von Verband und Vereinen oder auch bei der Talentförderung manche Vorteile.

Ein interessanter Arbeitsplatz: Die BFV-Geschäftsstelle im Bremer Weser-Stadion. (Foto: Oliver Baumgart)

Sie liegt mitten im Herzen der Stadt, die Verbandsgeschäftsstelle des BFV. Hier am Osterdeich in Bremens guter Fußballstube, dem Weser-Stadion, hat der Verband im Jahr 2005 sein Quartier bezogen. Auf zwei Etagen in einem der gläsernen Türme der Nordtribüne leistet das Team um Geschäftsführer Jens Dortmann täglich seinen Dienst für den Fußball. Doch Hauptamtlichkeit muss man im kleinsten Landesverband schon sehr akribisch suchen. „Der größte Teil unserer Arbeit wird von rund 120 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den verschiedensten Gremien aufgefangen“, erzählt Björn Fecker. Er leitet seit Mai 2010 als Präsident die Geschicke im BFV, der neben den Ehrenamtlichen lediglich neun hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Dort wo andere Verbände auf das kostenintensivere Hauptamt zurückgreifen müssen, baue sein Verband auf das Ehrenamt, so Fecker. Dies schlage sich finanziell letztlich auch in den Vereinen nieder. „Nirgendwo in Deutschland ist es unterm Strich so günstig, Fußball zu spielen, wie bei uns in Bremen“, berichtet der Verbandschef stolz.

Die Wahl Feckers birgt übrigens eine weitere Besonderheit eines so kleinen Verbandes. „Bei uns herrscht das Prinzip der Direktdemokratie. Sowohl im Verbandsbeirat, als auch im Verbandstag selbst sitzen und entscheiden die Vereine“, erläutert Fecker einen wesentlichen Unterschied zu anderen Verbänden. Die Nähe von den Vereinen zum Verband ist allerdings keine Einbahnstraße. „Man kennt sich und das macht vieles einfacher“, beschreibt der BFV-Präsident die Verhältnisse kurz und knapp.

Ein lebhaftes Beispiel hierfür ist die Einführung des Online-Spielberichtes. „Wir haben unsere Clubs in der Einführungsphase direkt und vor Ort bei den ersten Spielen unterstützt“, sagt Fecker. Seinen Vereinen hat der Verband im Laufe der letzten Jahre bereits Netbooks und Drucker für die tägliche Arbeit geschenkt. Überhaupt ist der BFV technisch ganz weit vorn mit dabei. Im sozialen Netzwerk „Facebook“ war man 2010 der erste aller 21 DFB-Landesverbände, der mit einem eigenen Profil online ging.

Zu den Hauptaufgaben des Verbandes gehört neben der Spielplanung und –abwicklung natürlich auch die Talentförderung. Verbandssportlehrer Wilfried Zander und DFB-Stützpunktkoordinator Thorsten Westenberger, der auch für den Bereich der weiblichen Landesauswahlen verantwortlich zeichnet, arbeiten dabei Hand in Hand mit dem SV Werder Bremen und der Eliteschule des Fußballs in Bremen-Obervieland, in der beide Parteien gemeinsam mit der Bildungsbehörde erfolgreich eng zusammenwirken. Zahlreiche Junioren-Nationalspieler*innen brachte diese Kooperation bereits hervor und nicht zuletzt profitierten auch gestandene Bundesligaspieler wie beispielsweise Aaron Hunt oder Johannes Eggestein von dem System. Zwar hat der BFV nur einen einzigen Bundesligaclub in seinen Reihen, dennoch brauchen die Landesauswahlen den Vergleich mit anderen Verbänden nicht zu scheuen. Die Zeiten, in denen Bremen stets am Tabellenende eines DFB-Länderpokals zu finden war, sind längst graue Vergangenheit.

Die Aus- und Fortbildung von Trainer*innen, Schiedsrichter*innen, Mitarbeiter*innen, Vereinsvertreter*innen oder Lehrer*innen ist ein weiterer Schwerpunkt des Verbandes. Im Bereich der Trainerausbildung hat sich die zentrale Ausbildung in der ehemaligen Sportschule Stadtwerder, dem heutigen Lidice-Haus, bewährt. Die vom BFV angebotenen Maßnahmen erfreuen sich dabei auch außerhalb des Verbandsgebietes größter Beliebtheit, so Verbandssportlehrer Zander. Insbesondere für Vereine des niedersächsischen Umlandes ist Bremen ein beliebter Ausbildungsort. Mitarbeiter*innen und Vereinsvertreter*innen werden hauptsächlich in den einzelnen Modulen des DFBnet regelmäßig geschult. Lehrer*innen werden über das DFB-Projekt „20.000+“ erreicht.

 

Der BFV in Zahlen:

Anzahl Vereine: 87
Anzahl Mitglieder: 44.519
Senioren: 25.416
Junioren (bis 18): 12.878
Frauen: 4.115
Mädchen (bis 16): 2.110
Anzahl Mannschaften: 1.272
Senioren: 650
Junioren (bis 18): 527
Frauen: 67
Mädchen (bis 16): 28
Anzahl Spiele: ca. 650 / Woche
Mitarbeiter*innen:
Hauptamtlich: 9
Ehrenamtlich: ca. 120
Lizenzierte Trainer*innen: ca. 630
Lizenzierte Schiedsrichter*innen: 550
Männlich: 519
Weiblich: 31
Futsal: 74 (in Gesamtzahl enthalten)

Quellen: DFB-Mitgliederstatistik 2019, DFB-Schiedsrichter-Einsatzstatistik 2018/2019, DFBnet

Ansprechperson:

Oliver Baumgart

Pressesprecher

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