„Man kann nicht überall die Lupe drauflegen“ – Regelschulung für Journalisten

24. Oktober 2018

Erneut fand im Bremer Weser-Stadion eine Regelschulung für Journalisten statt. Bundesliga Schiedsrichter Sven Jablonski hatte etliche Videoszenen im Gepäck, um die Bremer Sportpresse regeltechnisch auf den aktuellsten Stand der Dinge zu bringen.

Der Medienraum des BFV ist an diesem Abend gut besucht. Sven Jablonski hat hier heute ein Heimspiel. Das ist eher die Ausnahme, denn als Schiedsrichter hat man jede Woche ein Auswärtsspiel. Doch heute sind es auch keine Fußballprofis, die der 28-Jährige vor sich hat, es sind Journalisten. Der Verein Bremer Sportjournalisten hatte zu diesem einmal jährlich durchgeführten Event eingeladen, bei dem den Pressevertretern die aktuellen Regelauslegungen näher gebracht werden.

Eine lebhafte Diskussion, insbesondere rund um den Videobeweis, sorgte für Kurzweil. (Foto: Oliver Baumgart)

Eine lebhafte Diskussion, insbesondere rund um den Videobeweis, sorgte für Kurzweil. (Foto: Oliver Baumgart)

Naturgemäß nimmt der Videoassistent an diesem Abend einen breiten Raum ein, schließlich steht er fast wöchentlich im Mittelpunkt der Berichterstattung. In der von Radio Bremen-Bundesligareporter Heiko Neugebauer moderierten Diskussion geht es dabei natürlich vor allem um den Streitpunkt, wann ein Videoassistent denn nun eingreifen darf und wann eine Szene für ihn tabu ist. Dabei können sich die Anwesenden mit Jablonskis Hilfe in die Situation des Videoassistenten hineinversetzen. Ist eine Situation ein klarer Fehler? Hatte der Schiedsrichter eine eigene Wahrnehmung, die sich mit den Fernsehbildern deckt? Dies sind die Fragen, mit denen sich die Gruppe in den gut 90 Minuten beschäftigt.

Moderator Heiko Neugebauer (l.) und Sven Jablonski führten durch einen interessanten Abend. (Foto: Oliver Baumgart)

Moderator Heiko Neugebauer (l.) und Sven Jablonski führten durch einen interessanten Abend. (Foto: Oliver Baumgart)

Gerade die kniffligen Szenen sind es, die zu lebhaften Diskussionen führen. „Man kann sich in manchen Situationen selbst nach Zeitlupen aus zig Kamerapositionen nicht zu 100% festlegen“, ist Sportschau-Bundesligareporter Stefan Schiffner ehrlich. Die Hörfunkreporter, die eine Szene in der Regel live von der Tribüne aus beurteilen müssen haben es da nochmal ungleich schwerer, kann Neugebauer aus eigener Erfahrung berichten. „Und genau dann kann man eben häufig nicht von einem klaren Fehler sprechen, bei dem der Videoassistent ja nur eingreifen kann“, ergänzt Jablonski und findet, dass „man auch nicht auf jede Szene die Lupe legen kann. Die Wirkung in der Realgeschwindigkeit ist in manchen Szenen ehrlicher, als das Standbild.“

Anhand vieler Videoszenen wurden die aktuellen Regelauslegungen und die Tätigkeit des Videoassistenten erläutert. (Foto: Oliver Baumgart)

Anhand vieler Videoszenen wurden die aktuellen Regelauslegungen und die Tätigkeit des Videoassistenten erläutert. (Foto: Oliver Baumgart)

Ein weiteres Thema an diesem Abend sind die eher moderaten Regeländerungen der vergangenen Jahre. „Die FIFA dreht eigentlich seit einigen Jahren nur noch an kleinen Schräubchen, was in der Praxis gut ankommt“, stellt Jablonski dazu fest. Darüber hinaus stünden die Schiedsrichter der Bundesligen auch in einem ständigen Austauschprozess mit den Vereinen. Aus diesem resultierte beispielsweise der Wunsch nach mehr Nachspielzeit, denn hier war die Bundesliga im internationalen Vergleich bisher eher kurz angebunden.

„Wir sind heute wieder alle ein bisschen schlauer geworden“, zieht Heiko Neugebauer am Ende eines lebhaften und lehrreichen Abends ein mehr als treffendes Fazit. Auch Organisator Stefan Freye zieht ein positives Resümee und freut sich, dass seiner Einladung in diesem Jahr wieder mehr Journalisten folgten, als noch im vergangenen Jahr. Wer dies als Indiz dafür deutet, dass das Thema aktueller denn je ist, liegt mit dieser Einschätzung vermutlich richtig. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr? Demnach sehr wahrscheinlich.

[oba]

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