Die SV Hemelingen hat ihren Titel im LOTTO-Pokal der Männer erfolgreich verteidigt und steht erneut in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Vor 1.378 Fans in der BRZ-Arena setzte sich der Titelverteidiger am Samstagmittag mit 2:1 gegen die Leher Turnerschaft durch. Die Entscheidung fiel erst kurz vor Schluss: Der eingewechselte Jerome Albritton verwandelte in der 88. Minute einen Strafstoß zum umjubelten Siegtreffer.
Hemelingen fand zunächst deutlich besser in die Partie als die LTS. Bereits in der dritten Minute setzte Radin Amadou das erste Ausrufezeichen, als er sich stark durchsetzte und den Ball an den Pfosten setzte. Nur eine Minute später lag der Ball dann im Netz. Kerem Sahan bediente Diyar Saka mit einem langen Pass, der Angreifer nahm den Ball stark mit und traf aus spitzem Winkel zum frühen 1:0. In der Anfangsphase wirkte die SVH abgeklärt, ballsicher und deutlich präsenter, während die Leher TS einige Minuten brauchte, um im Finale anzukommen.

Titel erfolgreich verteidigt: Die SV Hemelingen. (Foto: Sven Peter – spfoto.de)
Nach dem frühen Rückstand steigerte sich der Außenseiter aus Bremerhaven jedoch spürbar. Die LTS wurde mutiger, arbeitete sich besser in die Zweikämpfe und gestaltete die Partie zunehmend ausgeglichen. Große Torchancen blieben zunächst zwar aus, doch Hemelingen gelang es ebenfalls nicht, aus der frühen Führung dauerhaft Kontrolle und Gefahr zu entwickeln. Eine kuriose Szene hätte die Partie beinahe auf den Kopf gestellt: Nach einem missglückten Rückpass aus großer Distanz musste SVH-Torhüter Marcel Pfaar zusehen, wie der Ball nur knapp am eigenen Tor vorbeiging. Kurz vor der Pause wurde es auf der anderen Seite noch einmal gefährlich, als Diyar Sakas verunglückter Abschluss sich überraschend Richtung Tor senkte. Mit dem knappen 1:0 für Hemelingen ging es in die Kabinen.

Max Norden (l.) kann Leonardo Cristescu nicht stoppen. (Foto: Sven Peter – spfoto.de)
Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Finale zunächst umkämpft, aber arm an klaren Möglichkeiten. Hemelingen verwaltete die Führung über weite Strecken, ohne offensiv entscheidend nachzulegen. Die Leher TS blieb dagegen im Spiel und suchte weiter ihre Chance. Nach gut einer Stunde wurde der Aufwand belohnt: Der kurz zuvor eingewechselte Augusto Correia stand nach mehreren Hereingaben in den Strafraum richtig und traf in der 67. Minute per Volleyschuss zum 1:1. Spätestens jetzt war das Finale wieder völlig offen.

Salem Nouware (l.) im Duell mit Mika Kneifel. (Foto: Sven Peter – spfoto.de)
Der Ausgleich gab der LTS noch einmal zusätzlichen Auftrieb. Hemelingen tat sich schwer, den Schalter wieder umzulegen und die Favoritenrolle erneut mit Leben zu füllen. Zwar bemühte sich die SVH um mehr Offensivdruck, doch zwingende Chancen blieben zunächst aus. In der Schlussphase rückte ein mögliches Elfmeterschießen immer näher, ehe die entscheidende Szene folgte: Leonardo Cristescu kam im Strafraum zu Fall und Schiedsrichter Thomas Gorniak zeigte ohne langes Zögern auf den Punkt. Jerome Albritton, erst wenige Minuten zuvor eingewechselt, übernahm die Verantwortung und verwandelte souverän zum 2:1.

Hemelingens Berkay Isik (l.) im Zweikampf mit Mika Hasanspahic. (Foto: Sven Peter – spfoto.de)
In der Nachspielzeit warf die Leher Turnerschaft noch einmal alles nach vorne, kam aber nicht mehr entscheidend zum Abschluss. Hemelingen brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und durfte nach dem Abpfiff erneut jubeln. Für die LTS endete eine starke Pokalsaison trotz großem Kampf mit einer bitteren Finalniederlage, während der SV Hemelingen seine besondere Pokalgeschichte fortschrieb: Titel verteidigt, Saison mit einem Erfolg abgeschlossen und zum zweiten Mal in Folge das Ticket für den DFB-Pokal gelöst.

Kerem Sahan (l.) wurde von WESER-KURIER Reporter Stefan Freye als „Man Of The Match“ ausgezeichnet. (Foto: Sven Peter – spfoto.de)
Nach der Partie wurde Hemelingens Kapitän Kerem Sahan als „Man Of The Match“ ausgezeichnet. WESER-KURIER-Reporter Stefan Freye überreichte ihm die Ehrung. Den LOTTO-Pokal übergaben anschließend LOTTO-Geschäftsführer Peter Schneider, die BFV-Vizepräsidenten Holger Franz und Friedrich Norden sowie Heinrich Böttcher aus dem Verbandsspielausschuss des BFV.
[oba]
Die Stimmen zum Spiel:
Günter Tuncel (Trainer, SV Hemelingen):
„Natürlich wollten wir früh in Führung gehen. Das schnelle Tor hat uns allerdings aus meiner Sicht gar nicht so gutgetan. Wir haben uns danach vielleicht ein bisschen zu sicher gefühlt und LTS zu sehr ins Spiel kommen lassen. Das war natürlich nicht unser Matchplan. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir es nicht richtig gut gemacht und die Abstände zu groß gehalten. Aber in so einem Pokalendspiel möchte ich nach einem Sieg nicht zu sehr ins Detail gehen, was wir jetzt alles schlecht gemacht haben. Am Ende haben wir gewonnen, sind wieder Pokalsieger, und das ist das, was zählt.“
Dennis Thermer (Trainer, Leher TS):
„Ich glaube, uns hat am Anfang ein Stück weit der Mut gefehlt. Vielleicht hatten wir auch ein bisschen zu viel Respekt und waren nervös. Hemelingen hatte in den ersten zehn Minuten zwei Chancen, die wir danach so nicht mehr zugelassen haben. Anschließend haben wir uns gut in das Spiel reingefuchst. Deshalb ist es natürlich enttäuschend und bitter, dass es am Ende durch einen Elfmeter entschieden wird. Für die Jungs ist das natürlich hart. Trotzdem glaube ich, dass alle im Stadion und an den Bildschirmen eine mutige LTS-Mannschaft gesehen haben, die mit dem SV Hemelingen auf Augenhöhe war. Glückwunsch an Hemelingen.“
Max Norden (Kapitän, Leher TS):
„Ich glaube, man hat uns in den ersten 15 Minuten angemerkt, dass wir vor dieser Kulisse noch ein bisschen angespannt und nervös waren. Hemelingen hat das in der Anfangsphase natürlich auch gut gemacht und ist früh in Führung gegangen. Danach sind wir aber immer besser ins Spiel gekommen, hatten mehr Druck und in der zweiten Halbzeit viele Ballbesitzphasen. Der Ausgleich war aus meiner Sicht verdient. Dass dann am Ende ein Elfmeter in der 88. Minute das Spiel entscheidet, ist für uns natürlich besonders ärgerlich. Wir haben heute alles gegeben und ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Es ist bitter, aber ich bin trotzdem unfassbar stolz und gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Sommerpause.“
Radin Amadou (SV Hemelingen):
„Es war heute sicher nicht mein bestes Spiel, aber am Ende zählt, dass wir als Mannschaft gewonnen und den Pokal geholt haben. Wir haben bis zum Schluss Gas gegeben, auch wenn es insgesamt nicht unser bestes Spiel war. Das frühe Tor hat uns vielleicht nicht unbedingt gutgetan, weil wir uns danach ein bisschen darauf ausgeruht haben. Aber am Ende gibt es nichts zu meckern: Wir haben das Spiel gewonnen und jetzt können wir feiern.“
